Inhaltsbereich

News der HWS

Phosphorrecycling?!

Jährlich werden in Halle (Saale) 15 Millionen Kubikmeter Abwasser in der Kläranlage-Nord gereinigt. Die Abwasserinhaltsstoffe werden durch verschiedene mechanische, biologische und chemische Reinigungsstufen behandelt.

Dieses gereinigte Abwasser wird anschließend in die Saale geleitet. Während der Reinigungsstufen entstehen Schlämme. Primärschlamm aus der Vorklärung und Überschussschlamm aus der Vermehrung der Mikroorganismen in der biologischen Reinigungsstufe werden über Faulung und Entwässerung einer Schlammbehandlung unterzogen. Bisher wurden 20.000 Tonnen Klärschlamm, die jährlich anfallen, als Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt. Allerdings ist der entwässerte Klärschlamm neben den Pflanzennährstoffen Stickstoff und Phosphor auch Träger von Mikroplastik und Spurenstoffen. 

Eine Gruppe von Menschen bestaunt das neue Gebäude. Kräne sind zu sehen. Der Himmel sonnig.
2023 einsatzbereit: Die Monoverbrennungsanlage im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen. (Foto: Stadtwerke Halle GmbH)

Aus diesem Grund wird ab 2023 der hallesche Klärschlamm nicht mehr für landwirtschaftliche Zwecke verwendet. Denn dann startet in einer neuen Verbrennungsanlage für Klärschlamm im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen die thermische Verwertung. Gesetzlich ist diese umweltfreundliche Lösung ab 2025 fest vorgeschrieben.

In zehn Stufen zeigt die Grafik den Ablauf des Phosphorrecyclings.
Wie funktioniert Phosphorrecycling? (Grafik: Stadtwerke Halle GmbH)

Die Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft GmbH (HWS) geht also mit gutem Beispiel voran. Durch das Verbrennen des Klärschlamms und die anschließende Phosphorrückgewinnung kann der wertvolle Rohstoff wiederverwendet und befreit von Schadstoffen in der Landwirtschaft eingesetzt werden. 

Dankert Richter blickt freundlich in die Kamera. Er trägt einen dunkelblauen Pullover. Darunter ein hellblaues Hemd.
Dankert Richter, Abteilungsleiter Abwassertechnik bei der HWS, freut sich über die länderübergreifende Kooperation für eine umweltfreundliche Lösung. (Foto: Stadtwerke Halle GmbH)

„Ab Januar 2023 geht eine sogenannte Monoverbrennungsanlage in Bitterfeld in Betrieb. Hier wird auch der Klärschlamm aus Halle und Leipzig thermisch verwertet“, sagt Dankert Richter, Abteilungsleiter Abwassertechnik bei der HWS. Bevor in Bitterfeld der Klärschlamm getrocknet und zu Staub gemahlen verbrannt wird, muss aber auch in die Kläranlage Halle-Nord investiert werden.

„Der Klärschlamm sollte für den Transport zur Verbrennungsanlage aus Gewichtsgründen möglichst trocken sein“, erläutert Dankert Richter. „Auf der Kläranlage entsteht bis zur Inbetriebnahme der Bitterfelder Verbrennungsanlage deshalb eine neue vollautomatisch betriebene Klärschlammentwässerung. Diese besteht aus zwei Zentrifugen und einer Schlammsiloanlage als Zwischenspeicher, welcher mit modernster Fördertechnik (Dickschlammpumpen) befüllt wird.“

Warum Phosphorrecycling so wichtig ist:

Die aufwändige Verwertung steigert unsere Lebensqualität: Der Boden und das Grundwasser werden nicht durch den Dünger mit Mikroplastik oder Spurenstoffen belastet. Somit wird der Boden und damit unser Grundwasser nachhaltig geschützt. Phosphor ist ein begrenzter Rohstoff. Er ist essenziell für alle Lebewesen und das Pflanzenwachstum. Phosphorrecycling ist nicht nur umweltfreundlich, sondern auch ein Weg, sich unabhängig von Importen dieser knappen Ressource zu machen.

Infos für Schulen:
Sie möchten mehr über die Kontrolle von Trinkwasser, Abwasser und Abfall erfahren? Wir bieten Ihnen eine digitale Betriebsbesichtigung der Kläranlage an.

16.03.2021